The Sally Gardens
Vor nunmehr 10 Jahren, genauer gesagt im August 1996, gründete sich, unbemerkt und unbeeinflußt von den jeweiligen Musiktrends der ausgehenden 90er, die kleine Rostocker Band „The Sally Gardens". Die beiden Schwestern Bettina und Sabine Brennwald verschrieben sich fortan der handgemachten Musik irischen Ursprungs. Der erste Auftritt im Petrikeller (ein mittelalterliches Restaurant) kam für die Rostocker Mädels eher zufällig zustande und verursachte noch gehöriges Lampenfieber, doch sie sammelten erste wichtige musikalische Erfahrungen und lernten den Umgang mit Publikum hautnah. Vom Petrikeller ging es auf die Bühnen und in die Pubs der ganzen Republik und sogar nach England.
Irische Musik ist in Deutschland nicht unbekannt und erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit. Unter diesen Umständen war es für die „Sally´s" nicht immer leicht sich in der großen deutschen Folkszene zu behaupten, doch sie fanden ihre Nische. Die unglaublich tiefen, rauchigen Whiskystimmen der Frauen wurden ihr Markenzeichen und verleihen ihren Interpretationen gängiger Irish Folk-Songs einen ganz eigenen Charme. Doch diese Band geht noch über die rein musikalische Darbietung ihres Repertoires hinaus. Was irische Lieder so wunderbar macht sind vor allen Dingen die Geschichten, die sie erzählen, Geschichte und Geschichten mal herzzerreißend traurig, mal urkomisch und manchmal tiefgreifend melancholisch. Dem zumeist deutschsprachigen Publikum werden während des Programms der „Sally Gardens" die Texte der jeweiligen Lieder und die damit zusammenhängenden historischen Umstände zuweilen recht anschaulich und mit komödiantischen Elementen erklärt, so findet der Zuhörer einen Zugang zu einer ihm unbekannten Welt.
Doch zurück zu den Anfängen: Mit Instrumenten war die Band 1996 noch spärlich ausgestattet. Eine alte Konzertgitarre und eine neuerworbene Bodhran (irische Handtrommel) wurden in den ersten Jahren bis zur Unkenntlichkeit zerschrammelt, doch etwas fehlte und die Mädels stellten fest, dass ein Melodieinstrument, wie zum Beispiel eine Geige, das musikalische Klangbild erheblich verbessern würde. Man konnte sich jedoch nicht darauf einigen wer von den Beiden dieses tolle Instrument in gnadenloser Selbstaufopferung lernen sollte und so suchte und fand man eine Geigerin. Silvia Hrzan war von der Idee begeistert in einer Folkband mitzuwirken und nach wenigen Proben ging es zu dritt auf Tour. Mit ihrem markanten Fiddle- und Mandolinenspiel bereicherte Silvia das Programm der „Sally´s" und erhöhte die musikalische Flexibilität des Trios. Als sie jedoch im Zuge ihres Studiums für mehrere Monate nach Irland ging, endete die gemeinsame Zeit von Touren durch ganz Deutschland, allerdings nicht ohne daß sich die Band in dieser Formation noch auf einem Tonträger (...as predicted, 2002) verewigte. Ihre Nachfolgerin, ebenfalls aus dem Bereich Klassik, brachte wieder eine ganz neue Richtung in das Klangbild und die Bühnenpräsenz der „Sally Gardens"- leider nur von kurzer Dauer. Seit Sommer 2005 spielt das erste feste männliche Bandmitglied die „Erste Geige" bei den Damen. Anatolie Avacumov, der moldawische Steh... äh... Stargeiger, mit dem Hang zu Cardas und Cowboymütze, betont durch seinen Stil eher das Bluegrasselement im Folk. Eine weitere musikalische Neudefinition, die man durchweg als positiv bezeichnen kann zudem Toli auch noch fast jedes Instrument spielen kann, das man ihm in die Hand gibt und über langjährige Bühnenerfahrung verfügt. Verstärkt wird das Ensemble zuweilen auch durch ein weiteres Multitalent. Steffen „Benny" Kurtz - eigentlich Bassist (oder Bassspieler ) - spielt bei den „Sally's" Mandoline, Tin Whistle und auch Gitarre und trägt den liebevollen Beinamen „der Mandolinenschlumpf" (das bezieht sich aber nicht auf seine Größe). Die Vertreterinnen des gentil sesso kümmern sich seither aufopfernd um die männlichen Bandmitglieder und sorgen dafür, daß sie beim Schlafen im Auto nicht gestört werden.
Nun sind zehn Jahre um, so manches Tal der Tränen ward durchschritten und die Rückkehr von gelegentlichen Höhenflügen klappte meist reibungslos. Einige Erfahrungen hätte man sich eher nicht gewünscht und das zu zahlende Lehrgeld schmerzte oft so sehr wie das geräuschvolle Auftreffen auf dem Boden der Realität. Der Liebe zur Musik und zum Publikum hat das nie Abbruch getan und so sind „The Sally Gardens" heute eine der beliebtesten und meistgebuchtesten Bands ihrer Region. Glatteis, Schneegestöber, Flutwellen, Krankheiten, Klagen etc. konnten sie auf ihrem musikalischen Weg in die Herzen der Menschen nicht aufhalten und deshalb kommt hier die schönste Nachricht des Jahres 2006: „Die Sally's machen weiter."
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